Holzbrücke

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Kragträgerbrücke über den Kunar River in Pakistan mit bestmöglicher Ausnutzung des eingesetzten Materials
Jochbrücke in Finnland
Holzbrücke in Bad Säckingen, die längste gedeckte Holzbrücke Europas
Trestle-Brücke in Australien

Die Holzbrücke ist die älteste Bauform in der Geschichte des Brückenbaus. Beginnend mit einem über einen Bach gelegten Baumstamm, über abwechselnd längs und quer übereinanderliegende Stämme zum Überwinden eines Einschnitts im Gelände und die Jochbrücken mit in den Boden gerammten Pfählen sowie die materialsparenden Fachwerkbrücken, lassen sich heute mit Leimbinderkonstruktionen theoretisch ebensogroße Spannweiten erreichen wie bei Stahlbetonbrücken.

Durch das im Verhältnis zum Tragvermögen sehr niedrige spezifische Gewicht des Holzes ist es aus statischer Sicht ein sehr geeignetes Material zum Brückenbau. In der Praxis beschränkt aber der erforderliche Aufwand zum Erreichen eines ausreichenden Witterungsschutzes die Einsatzmöglichkeiten von Holzbrücken.

In waldreichen Gegenden mit feuchter Witterung wie dem amerikanischen Nordwesten war es früher teilweise üblich, Holzbrücken alle zehn Jahre neu zu errichten.[1] Abhängig von Klima, natürlicher Dauerhaftigkeit des Holzes und Maßnahmen zum Holzschutz können Holzbrücken aber auch viele Jahrzehnte überdauern und die Lebenserwartung von Stahl- und Stahlbeton-Brücken übertreffen.

Material und Konstruktion

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Holzbrücken können aus Massivholz oder aus Brettschichtholz gebaut werden. Die Brückenteile können entweder traditionellen Holzverbindungen oder mit Nagelblech und Schrauben zusammengehalten werden. Je nach Witterung und Verfügbarkeit werden verschiedene Holzarten zum Brückenbau verwendet, etwa Kiefernholz, Fichtenholz, Eichenholz, Edelkastanien- und Douglasienholz. Insbesondere wenn kein druckimprägniertes oder modifiziertes Holz verwendet wird, muss dass Tragwerk nach einem Regen zügig austrocknen können oder vor der Witterung geschützt sein.

Die Gallier bauten Holzbrücken mit Kragträgern aus rechtwinklig aufeinander aufgeschichteten Baumstämmen mit Hinterfüllung aus Steinen und einem hölzernen Überbau. Die Bauart soll bis ins 18. Jahrhundert in Savoyen verwendet worden sein. Brücken mit auskragenden Holzstämmen, die zwischen Steinpackungen eingespannt sind, werden bis heute in Pakistan, Afghanistan, Indien und China zur Überquerung von Flüssen verwendet – insbesondere im Himalaya und den angrenzenden Gebirgen. Von beiden Ufern aus werden Baumstämme zwischen aufgeschichteten Steinen festgelegt und die in die Flussmitte ragenden Enden mit aufgelegten Stämmen verbunden.[2]

Die älteste Holzbrücke der Römer war der Pons Sublicius. Sie bauten sowohl reine Holzbrücken wie auch Brücken mit Steinpfeilern und hölzernem Überbau, welche Steinpfeilerbrücken genannt werden. Siehe Liste der römischen Holz- und Steinpfeilerbrücken. Die reinen Holzbrücken waren jeweils als Jochbrücken ausgeführt.

Aus dem Spätmittelalter ist ein Vorschlag für eine Auslegerbrücke aus Holz vom Baumeister Villard de Honnecourt überliefert. Diese Konstruktionsweise scheint sich nicht verbreitet zu haben und wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch Heinrich Gerber wieder aufgenommen und für Eisenkonstruktionen verwendet. In dieser Zeit begann auch der Bau von Gedeckten Holzbrücken, bei welchen das Tragwerk durch Seitenwände und Dach vor den Einwirkungen der Witterung geschützt ist. Frühe Beispiele sind die 1365 erbaute Kapellbrücke in Luzern oder der 1569 von Andrea Palladio erbaute Ponte Vecchio – eine gedeckte Jochbrücke über die Brenta in Bassano del Grappa.

Im Jahr 1500 wurde in Toruń (Polen) eine Brücke über die Weichsel gebaut. Sie war damals die längste Holzbrücke Polens und eine der längsten in Europa.

Während des 18. Jahrhunderts entwickelten Hans Ulrich und Johannes Grubenmann einige Innovationen in der Konstruktion von gedeckten Brücken.[3] Auf empirische Weise wurden zuerst Stabpolygone, später Bogenkonstruktionen mit Spreng- und Hängewerk kombiniert, so dass Spannweiten bis zu sechzig Meter erreicht wurden. Diese Technik wurde von den Brüdern Grubenmann dann auch im Bau weitgespannter Kirchendächer eingesetzt. Als bekanntestes Beispiel ihrer Brückenbauwerke gilt die Rheinbrücke Schaffhausen, die 120 m lang war und nur einen Zwischenpfeiler hatte.[4] In Europa bekannt[5] wurde die 1778 von Johann Christian Adam Etzel (1743–1801; Onkel von Gottlieb Christian Eberhard von Etzel) gebaute Neckarbrücke Plochingen mit einer freitragenden Spannweite von 70 Meter,[6] die 1905 völlig intakt der Erweiterung der Bahnhofanlagen weichen musste. Die 1955 original wieder aufgebaute gedeckte Holzbrücke Forbach (Nordschwarzwald) über die Murg, ursprünglich ab 1778 geplant und gebaut von Otto Lindemann, wird mit ihren 38 Metern Spannweite regional als die "längste freitragende, überdachte und aufgrund ihrer Stabilität befahrbare Holzbrücke in Europa"[7] bezeichnet.

Die Eisenbahnbrücken, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Nordamerika gebaut wurden, stellen einen weiteren Meilenstein dar, vor allem die hölzernen Trestle-Brücken, die aus einfachen Balkenbrücken mit einer feinmaschigen Anordnung von Rundhölzern bestehen. Einen Namen machten sich bei Eisenbahnholzbrücken zum Beispiel Ithiel Town, William Howe und Isambard Kingdom Brunel.

Holz findet heute oft Verwendung bei Fußgängerbrücken, Stegen oder anderen untergeordneten Brücken wie Güterwegbrücken oder Hauszufahrten, dagegen wird für größere Brücken kaum noch Holz verwendet.

Die 1999 eröffnete Vihantasalmi-Brücke in der Nähe des finnischen Mäntyharju ist die längste für den Straßenverkehr erstellte Holzbrücke. Sie ist 168 m lang und hat eine maximale Stützweite von 42 m.[8][9]

Die längste gedeckte Holzbrücke Europas ist die Holzbrücke Bad Säckingen in Süddeutschland. Zu den bekanntesten zählt die Kapellbrücke in Luzern. Die längste gedeckte Holzbrücke der Welt ist mit 390 m die Hartland Bridge in New Brunswick, Kanada.

Die längste Holzbrücke in Europa ist die als Spannbandbrücke ausgeführte 225 m lange Drachenschwanzbrücke auf dem Gelände der Neuen Landschaft Ronneburg. Die zweitlängste Spannbandbrücke aus Holz ist die 193 m lange Holzbrücke bei Essing über den Main-Donau-Kanal. Bei letzter wurde ungewöhnlicherweise Brettschichtholz als Spannband verwendet.

Beispiele von Holzbrücken

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Gedeckte Brücken

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Commons: Wooden bridges – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Holzbrücke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Erwin Fuchs: Brückenbau: Holzbrücken, Band 7, 1957
  • Thomas Jahn: Holzbrücken, in: Gerhard Mehlhorn (Hrsg.), Handbuch Brücken: Entwerfen, Konstruieren, Berechnen, Bauen und Erhalten, (2)2010, S. 281–289
  • Diethard Steinbrecher: Geschichte des Holzbaus am Beispiel des Holzbrückenbaus in Amerika und Europa; in: Wolfgang Rug (Hrsg.): Holzbau im Bestand – Historische Holztragwerke: Berlin, Wien, Zürich 2018

Einzelnachweise

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  1. siehe die Chronologie des Wiederaufbaus im Artikel Wilburton Trestle der englischen Wikipedia und die dortige Quelle: The Wilburton Trestle; Some Little-Known Facts About This Well-Known Feature (PDF), Eastside Business, Februar 2007 
  2. B. Nebel: Auslegerbrücken. Abgerufen am 13. Februar 2013 (mit Bild einer Brücke in Nepal).
  3. Josef Killer: Die Werke der Baumeister Grubenmann, Doktorarbeit ETHZ, Zürich 1942 - einsehbar als PDF (27 MB) auf [1], zuletzt abgerufen am 30. Juni 2019
  4. A. Müller, H. Kolb: Grubenmanns Brücken. (PDF; 346 kB) Tec21, 2009, abgerufen am 2. Februar 2013 (Die Aussage im Artikel, dass nur noch zwei Brücken von Grubenmann existieren, ist falsch.).
  5. Allgemeine Encyclopaedie der Wissenschaften und Künste; hg. von S.G. Ersch und J.G. Gruber, Band 13, Leipzig 1824, S. 160 (Artikel „Brücken # Hölzerne Brücken“: „Unter allen Völkern haben aber die Teutschen den Bau der hölzernen Brücken am meisten vorwärts gebracht“ - Es folgt eine Aufzählung herausragender Brückenbauwerke in Europa mit Baumeisternamen und Details)
  6. Abbildung von 1905 einsehbar auf [2], zuletzt abgerufen am 30. Juni 2019
  7. siehe [3], zuletzt abgerufen am 30. Juni 2019
  8. Bildergalerie (Memento vom 2. März 2009 im Internet Archive), Universität Fukuoka
  9. „Holzbrücke aus Fachwerk, über die die Welt staunt“ (Memento vom 11. Dezember 2007 im Internet Archive), holzland.de
  10. siehe en:Wilburton Trestle
  11. siehe en:Cornwall Railway viaducts#Carvedras